Höher, schneller, weiter?

Posted on

In einer Gesellschaft, in der Leistung neben Geld die wichtigste Währung ist, sind die an der Spitze, die nonstop mithalten können. Konzentrationsschwäche oder Müdigkeit kann dabei keiner gebrauchen. Schließlich will man ja jeden Tag in jedem Moment vollen Einsatz zeigen. Falls dann genügend Schlaf und gesunde Ernährung nicht mehr ausreichen, um die eigenen Energiereserven aufzutanken, greift der ein oder andere zu synthetischen Helferlein. Gemeint sind aber keine Drogen, sondern ein Medikament. Ritalin heißt das Mittel, das Kindern mit einer Aufmerksamkeitsschwäche helfen soll, sich besser zu konzentrieren.

In den USA gelten die Tabletten schon lange als gängige Methode des Gehirndopings – ob Student mit Lernstress oder Workaholic mit hektischem Terminkalender. Das Medikament, das auf nervöse Kinder beruhigend wirkt, hat bei Erwachsenen einen angenehmen Nebeneffekt. Es reduziert nebensächliche Hirnaktivitäten und ermöglicht so, alle Konzentration zu bündeln, berichtet Focus. Zusätzlich lockt Ritalin damit, nicht abhängig zu machen – zumindest nicht körperlich. In wie weit die Psyche sich daran gewöhnt, immer leistungsfähig zu sein, ist jedoch noch nicht untersucht. Hintergrund dafür, dass in den letzten Jahren immer mehr Stimmen gegen das Hirndoping mit Ritalin laut werden, darunter der Gesundheitsausschuss des Bundestags, sind aber vor allem ethische Fragen, die das Medikament aufwirft.

Wenn Doping im Sport illegal ist, warum sollte Doping im Alltag legitim sein? Bleiben irgendwann die auf der Strecke, die die Tabletten verweigern und eine scheinbar schlechtere Leistung abliefern? Was für eine Art Gesellschaft ist es, in der nur die Gedopten das erwartete Pensum überhaupt noch bewältigen können? Krankheitsbilder wie Burnout und die wachsende Zahl an Ritalin-Fans sind erste Resultate einer Welt, in der alles immer noch besser, größer, schneller sein muss. Vielfach gerät die Work-Life-Balance dadurch aus dem Gleichgewicht.

Tags: , ,


FIND US ON FACEBOOK